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Twitter. Teil III: Tweetup #ddtu

#ddtu

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Letzten Freitag trafen wir uns zum allerersten Düsseldorfer Tweetup, phantastisch vorbereitet und organisiert mit erschreckender Energie von , und trotz trübster Lichtverhältnisse von Raevynn auf flickr liebevoll dokumentiert.

Der gemietete Raum in der Barco Lounge war bis zum Schluß ordentlich gefüllt, und die letzten Twitterer gingen um (interessant, wie hier beim Übertragen der SMS das “@” zum “¡” mutierte *grübel*). Alle fanden’s toll, mit einer Ausnahme, zu der ich gleich noch etwas sage, und viele rufen schon nach .

Nun zu der Ausnahme. Nicht, weil sie selbst und als solches uns so bahnbrechend Neues über das Internet erzählte, sondern weil ich etwas sagen möchte zu prinzipiellen Unterschieden in der Kommunikation in Welt und Netz.

Wie es empfand. (Das bin ich.)
Ich kam recht früh und der Raum war schon voll, was ich nicht erwartet hatte. (Noch) niemand da, denn ich persönlich kannte. Jerry begrüßen, der auch dafür gesorgt hatte, daß der mit einem Beamer an die Wand geworfen wird. Namensschild ausfüllen, Button ans Revers statt an den Finger heften, keinen Kellner finden, umsehen. Okay, die erste Stunde: ein Raum voller Menschen, die sich nicht kennen. Der Reiz, sich anzutweeten fürs wer-ist-wer ist stark. Dazu die gebeamten Tweets zu und mit Twitteren, die noch kommen wollen oder verhindert sind. Was aber weder heißt, daß sich niemand unterhielte! noch daß sich die iPhoneler nicht auf Ansprache bereitwillig und freudig unterbrechen ließen! Am erstbesten Tisch lerne ich auf Anhieb so nette Menschen kennen, daß ich mich komplett festquatsche, statt erst einmal »die Runde zu machen«, wie es eigentlich meine Absicht war. Auch mein Freund und Sinnflut-Kollege — der einzige anwesende Düsseldorfer Twitterer, den ich »in echt« kenne — ist nun angekommen und gesellt sich dazu. Zwischendurch frage ich, ob auch hier sei, die sich angemeldet hatte. Mit ihr wollte ich mich unbedingt unterhalten, weil sie auch bei der von initiierten “Twitter Citizen Press Conference” beim dabeigewesen war. (Worüber ich schon längst hatte schreiben wollen, aber noch nicht dazu kam.) Alle deuten in Richtung eines Menschenknäuels an einem viel größeren Nebentisch. Fein! Aber es dauert vor lauter Quatschen und Kennenlernen dann doch noch eine weitere gute halbe Stunde und ein Bier, bis ich mich endlich auf den Weg mache dorthin. Und da ist sie dann auch schon weg, zu meiner Frustration.

Wie es empfand. (Das ist Doc Sarah Schons.)
| | | . [Leider hat sie ihren Twitter-Account mittlerweile auf »Privat« gestellt.] Das sind jetzt nur die Tweets, die die Tweetup-Kommunikation betreffen. Ausgelassen habe ich absichtlich alles, was sich ganz oder teilweise auf den entstehenden Flamewar bezog nach dem unterirdischsten aller Flaming-Tweets, auf den ich nicht verlinke will, von . Und für den @der_keller, wie er selbst am besten weiß, von den Anwesenden ordentlich Flak bekam. Entschuldigungen und eine Art Versöhnung sind mittlerweile am Start, auch wenn mir beim Lesen von @der_kellers (nicht mehr im Netz befindlichen) Entschuldigung immer noch (no offense!) dieses Bild in den Sinn kommt … Ich persönlich finde es ja recht großzügig, diese Entschuldigung als Entschuldigung zu . Weniger großzügig finde ich allerdings dieses — als ob zu einem Flamewar nicht immer mindestens zwei gehörten, und als ob das kollektive Dissen einer ganzen Stadt, aller Anwesenden und des sich bis zum Äußersten bemühenden Organisators nicht die Mutter aller Chutzpah wäre, sondern irgendwie völlig normal.

Zunächst aber möchte ich die schweigenden Lämmer verteidigen. In unserer ausführlichen Diskussion später am Abend erwähnte (glaube ich) , daß es beim Wehrdienst eine Regel gebe, daß Beschwerden erst am nächsten Tag eingereicht werden dürfen. Womit sich ca. 90 % aller Probleme ganz von selbst erledigt hätten. Eine weise Regel! Die ich in einer zeitlich eingeschränkten Variante schon seit längerem im Internet zu beherzigen versuche — indem ich zum Beispiel auf Attacken in Werbeblogger-Kommentaren [RIP] frühestens nach Ablauf einer vollen Stunde reagiere.

Ein zweites Problem, das wir ausführlich besprachen, hängt indirekt auch mit »Schweigen« zusammen. Natürlich kam die Frage auf, ob es nicht klüger gewesen wäre, den Flamewar-Einstiegs-Tweet von @DocSarah einfach zu ignorieren. Oder ob es für @DocSarah nicht klüger gewesen wäre, den Schnellzünder-Tweet von @der_keller zu ignorieren. Aber Ignorieren im Internet ist, wie wir alle wissen, problematisch:

XKCD: Duty Calls

XKCD: Duty Calls

Warum ist das so? Ich denke, es hat damit zu tun, daß im Internet Watzlawicks berühmter Satz »Man kann nicht nicht kommunizieren!« nicht oder nur eingeschränkt gilt. »Ignorieren« ist ganz fundamental ein Kommunikationsakt, der wahrgenommen werden will. Effektiv ignorieren kann ich nur etwas, von dem klar ist, daß ich es wahrgenommen und verstanden habe: Die schlichte Abwesenheit von Kommunikation im Internet ist auf der einen Seite völlig dimensionslos und bietet auf der anderen Seite eine prinzipiell unbegrenzte Zahl von Interpretationsmöglichkeiten an. Aber die Intention, »Ignorieren« zu kommunizieren, führt im Internet (und in schriftlicher Kommunikation überhaupt) schnell zu einem Paradox: Mit der Mitteilung, daß ich etwas ignoriere, kippt das Ignorieren automatisch um in eine Antwort. Was also tun? Bei Blogkommentaren läßt sich manchmal tricksen, zum Beispiel durch das explizite Antworten auf einen Kommentar von jemand anderem, was recht deutlich die Absicht des Ignorierens ohne tatsächlich zu antworten kommuniziert.

Das ist natürlich nicht immer möglich, und es ist auch nicht immer opportun: Das Nachgeben der Konstruktiven begründet die Weltherrschaft der Destruktiven. Deswegen ist Ignorieren auch nicht automatisch besser als Twittern im Affekt. Aber nicht jeder und jede muß sich deswegen ins Getümmel stürzen zu einer Massenrauferei.

Und natürlich ist es auch ein Mythos, daß es ausreicht, jemanden zu «defollowen«, um seinen oder ihren Frieden zu haben. Auch wenn die Kommunikation aus dem eigenen Kämmerchen ausgesperrt wird, tobt sie — nicht zuletzt im #Hashtag-Space — als Broadcast weiterhin ungebremst durchs Internet.

Ich hoffe, beim nächsten Mal sind alle ein bißchen erwachsener. Und ich freue mich auch auf ein Wiedertreffen mit @der_keller und bin mehr als je zuvor gespannt darauf, @DocSarah zu begegnen.

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3 Responses

  1. Ja, war sehr nett, Dich und all die anderen mal getroffen zu haben. Bis zum nächsten Mal,

    @rajue

  2. @rajue Hehe wo ich jetzt Deinen Kommentar lese sehe ich, ich hab vor lauter Fokussierung aufs Thema mal wieder ganz vergessen, meinen eigenen Senf unverblümt dazuzugeben.

    Es war absolut super und ich fand’s grandios, mir Dir und vielen anderen bis in die Nacht gequatscht haben zu können!

    Da. Und wenn möglich, bald mehr davon :-)

    ^_^J.

  3. dieser seltsame flame war (sowas kannt ich noch nicht aus anderen camps/meet ups) ist inzwischen befriedet – see friendslist in mixxt for ddtu na dann – looking forward to see you next time ;-)