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Kommunikation in Parabeln

Kafka: Meister der Parabel

Kafka: Meister der Parabel

Wenn Storytelling in der Werbung parabelartige Strukturen aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß irgendetwas faul ist.

Fast zwanzig Jahre alt ist oskarprämierte animierte Kurzfilm “Balance” von Christoph und Wolfgang Lauenstein, aber keinen Deut weniger genial als damals. Gerne hätte ich einen Blick auf das Drehbuch geworfen, aber das findet sich leider nicht im Netz.

Balance (1989) von Christoph und Wolfgang Lauenstein:

Die Erzählform der Parabel scheint uns allen wohlvertraut. Die Frage danach, was eine Parabel ist, beantworten die meisten mit einer Kombination aus a) ein Gleichnis und b) ein ethisch/moralischer Standpunkt mit impliziter Handlungsanweisung. So einfach ist das alles jedoch nicht. Die Parabel als Kunstform fand ihren Höhepunkt in Kafka — doch wo ist der Standpunkt? Gar nicht zu reden von der impliziten Handlungsanweisung? Und auch die vagen Ideen über Gleichnisse als Kollateralschaden biblischen Gedankenguts entpuppen sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen dampfförmig und die Gleichnisse selbst als unkaputtbare harte Nüsse. Das Problem mit den meisten biblischen Gleichnissen besteht darin, daß sie vermeintlich einen ethischen/moralischen Standpunkt mit impliziter Handlungsaufforderung durch Illustration erläutern. Tatsächlich sind diese Gleichnisse jedoch in der Regel so außerordentlich opak, daß sie selbst Gegenstand unerschöpflicher Debatten, Erklärungs- und Illustrationsversuche sind. Genau wie Kafka.

Storytelling in der Werbung hat, natürlich, oft parabelartige Strukturen. Der moralische/ethische Standpunkt entspricht der Aussage, daß das angebotene Produkt gut und nützlich ist und die Handlungsanweisung entspricht der Aufforderung, es aus diesem Grund zu kaufen. Dies soll die Story illustrieren. Das gelingt auch prima und ganz ohne parabelartige Strukturen, wenn das Produkt a) faktisch gut und nützlich ist und sich b) von anderen Produkten der gleichen Klasse tatsächlich unterscheidet. Sobald einer dieser Punkte oder beide nicht gegeben sind, voilà!, hat die Parabel ihren Auftritt: eine lehrreiche Geschichte, um ein oder mehrere non sequiturs herumgruppiert, deren tatsächliche Verbindung zu Produkt, Nutzen und Handlungsaufforderung im günstigsten Fall assoziativ und vage ist, im ungünstigsten lächerlich, von surrealer Idiotie oder, in der Tat, absurd.

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