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Nonsens hoch 100

(monogamy)100

(monogamy)100

Diamantenwerbung fiel ja schon öfter durch ausgesucht stilvolle Kampagnen auf — wer erinnert sich, zum Beispiel, nicht mit wehmütigem Grausen an She won’t Say No von De Beers?

 

Ende letzten Jahres, pünktlich zur Kitschfestserie, war es mal wieder so weit. Bring on teh stupid! Diesmal mit der Kampagne (monogamy)100 von Hearts on Fire.

Diese ganze Kampagne floß so über voll dümmlicher Anmaßung, daß einem die Latkes (wahlweise auch Gänsekeulen) im Hals steckenblieben. In ihrem Artikel “Diamonds Go Designer”in Fortune Magazine beschrieb Bethany McLean das erklärte Ziel der Firma: Einzelhändlern beizubringen, ihre Kunden davon zu überzeugen, daß alles unterhalb eines Hearts On Fire-Diamanten bedeute, »nicht genug zu lieben«. Um das Maß vollzumachen, behauptete Hearts of Fire CEO Glenn Rothman dann noch, Liebe sei »der einzige Bereich im menschlichen Leben, der nicht zum Konsumprodukt werden kann« (“Love is the one area of human life that cannot be commoditized”). Wait, what?! That’s not even wrong!

Und was bedeutet »Monogamie hoch 100« eigentlich genau? Denken die Hearts on Fire-Leute, Exponenten wären so eine Art intensifier, um die jeweilige Grundzahl stärker und robuster zu machen, also so eine Art Parris Island für den Ursprungswert?

Oder wird die Beziehung/das Pärchen hoch hundert genommen, was, Moment, (kritzel, kritzel), exakt eine Beziehung/ein Pärchen ergeben würde? Oder werden die an der Monogamie Beteiligten hoch 100 genommen — was die Zahl der Beziehungsmitglieder so erweitern würde, daß die daraus entstehende polyamore Kommune als Wohnraum ein paar Planeten anmieten müßte?

Planeten aber kosten bekanntlich Geld, also ist es zweifelhaft, ob das Budget dann noch für Diamanten reicht.

Disclaimer
Woran Werber zu allen Zeiten und mit wachsender Begeisterung ihr intellektuelles Mütchen kühlen, ist die Werbung anderer: ein Unterfangen, für das ich — milde gesagt — Vorbehalte hege. Denn weder kenne ich die Werbeabsicht, noch die Zielgruppe, noch den Erfolg, die diese Werbung hat. (Und mit »Erfolg«, das dürfte klar sein, sind nicht Kreativpreise gemeint.) Aber es gibt eine Reihe von offensichtlichem Blödsinn, der aus Faulheit entsteht: Der Faulheit, etwas gründlich zu recherchieren und der Faulheit, ein Anliegen präzise auszudrücken. Dies sind die Dinge, die hier in Killed by Copy von Zeit zu Zeit aufs Korn genommen werden.
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