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Die deutsche Werberelite, Teil 6

brand meets world

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Werbetexter-Q&A1
Armin Reims und Thilo von Büren2

Armin Reims:
Thilo, wie bist Du eigentlich Werbetexter geworden?

Thilo von Büren:
Das war mehr oder minder Zufall. Ich habe zuerst Versicherungskaufmann gelernt. Danach wußte ich, dass das nicht mein Ding ist. Dann habe ich Germanistik studiert und wollte nebenbei ein bisschen Geld verdienen. Ich wusste eigentlich schon mit 15, dass ich später beruflich irgendwas mit Schreiben machen möchte.

Versicherungskaufmann gehört also zu den typischen Ausbildungsgängen in Richtung Schreibberufe?

Armin Reims:
Ist es schwieriger Werbetexte zu schreiben als andere Texte?

Thilo von Büren:
[…] Es ist eine ganz andere Art von Denke. Wenn man z. B. Belletristik oder Kurzgeschichten schreibt, dann kann man mit seinen Gedanken sehr viel weiter ausholen. In der Werbung ist es genau das Gegenteil, man muss die Gedanken verdichten.

Welches Germanistikstudium legt die Reihung »Belletristik oder Kurzgeschichten« nahe? So ähnlich wie, etwa, »Mathe oder Algebra«? »Obst oder Erdbeeren?« Vermutlich das gleiche Studium, in welchem gelehrt wird, daß für Kurzgeschichten ganz weit ausgeholt werden muß. So wie für Novellen. Oder Gedichte.

Armin Reims:
Haben gute Texter besondere charakterliche Merkmale?

Thilo von Büren:
[…] Ein guter Texter ist nicht unbedingt jemand, der gut schreiben kann. Für mich ist ein guter Texter jemand, der gut denken kann.

Also ist es beruflich letztendlich doch nichts geworden mit dem »irgendwas mit Schreiben«.

1 Reims, Armin (Hrsg.). Die Mörderfackel. Das Lehrbuch der Texterschmiede Hamburgs. Mainz: Hermann Schmidt, 2002. S.188. 
2 Einer der »30 besten deutschen Texter« (S.13 et alibi passim ibidem) 
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