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Untermöbliert

Düsseldorfer Stadtanzeiger

Düsseldorfer Stadtanzeiger

Es kommt mir vor wie Jahre, in denen sich nun in und um Düsseldorf herum die Kinowerbung für den Düsseldorfer Stadtanzeiger (mittlerweile Düsseldorfer Anzeiger) bis zur Unkenntlichkeit zu Tode nudelt.

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der nach Düsseldorf in eine unmöblierte Wohnung zieht und diese mit Hilfe von Kleinanzeigen aus dem Stadtanzeiger allmählich in eine möblierte verwandelt. Zu dieser Möblierung gehört kleinbürgerlichen Erwartungen entsprechend natürlich auch hinzu, sich mittels der Antwort auf eine »Bist Du auch einsam?«-Kleinanzeige eine Frau ins Haus zu holen, und da die Macher dieses Spots die Vorstellungskraft der Zuschauerschaft offenbar mit ihrer eigenen verwechseln, werden dazu riesige, neonfarbene Verständnispfeile gesetzt in Form einer wild zum Schlafzimmer mäandernden Spur aus Damenunterwäsche und Champagnerflasche sowie dem immens verständnisfördernden Textelement »Eine Woche später …«, dem auch die vielversprechenden (zwinker, zwinker) Auslassungszeichen nicht fehlen dürfen.

Lustigerweise und formidabel zielkundengerecht trägt der junge Herr — wie deutlich und ausgerechnet in der Szene zu sehen ist, in der er den Düsseldorfer Stadtanzeiger aus dem Rollköfferchen zieht — einen Ehering.

Gute Arbeit.

(Dank für dieses Detail geht an meinen Freund und Kollegen Stefan — meine eigene Wahrnehmungskraft bezüglich Eheringe ist, lebensentwurfbedingt, wenig ausgebildet.)

Disclaimer
Woran Werber zu allen Zeiten und mit wachsender Begeisterung ihr intellektuelles Mütchen kühlen, ist die Werbung anderer: ein Unterfangen, für das ich — milde gesagt — Vorbehalte hege. Denn weder kenne ich die Werbeabsicht, noch die Zielgruppe, noch den Erfolg, die diese Werbung hat. (Und mit »Erfolg«, das dürfte klar sein, sind nicht Kreativpreise gemeint.) Aber es gibt eine Reihe von offensichtlichem Blödsinn, der aus Faulheit entsteht: Der Faulheit, etwas gründlich zu recherchieren und der Faulheit, ein Anliegen präzise auszudrücken. Dies sind die Dinge, die hier in Killed by Copy von Zeit zu Zeit aufs Korn genommen werden.
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