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Mediaboarding, oder: Die Bild- und Fernsehfolter

brand meets world

brand meets world

Eines der Meme, von denen in die Werbebranche Drängende unweigerlich früher oder später überfallen werden wie von einem in regionalen Legenden zelebrierten Wegelagerer, ist die Empfehlung, regelmäßig fernzusehen und die Bild-Zeitung zu lesen.

Meine Ansicht dazu ist, daß unser präfrontaler Cortex in Relation zu unseren Hormondrüsen ohnehin schon jämmerlich unterentwickelt ist und dieses Mißverhältnis nicht durch riskante Manöver zusätzlich erweitert werden sollte.

Wozu fernsehen — um den Leuten »aufs Maul zu schauen« im Rahmen von Werbeblocks, deren Dialoge so frisch und natürlich klingen, als kämen sie direkt aus einer Werbeagentur (oh, Sekunde …), gelegentlich unterbrochen von Quiz- und Talk- und Soft-Snuff-Shows, in denen es so scheint, als würde fortwährend dafür geworben, daß Sprache im Grunde doch keine so gute Idee war, wie wir immer glaubten? Oder sich Bild-Zeitung und Express und Anverwandte zu Gemüte zu führen, um mehr über das Bedienen von Vorurteilen zu erfahren sowie den Lustgewinn durch kollektives Besserwissen?

Granatenideen, eigentlich, um neue Konzepte, Produkte und Services zu verkaufen! Natürlich, wer Werbespots schreibt, sollte im Bilde sein hinsichtlich Glotze, und wer PR schreibt, hinsichtlich Bild. Und natürlich kann es zwischendurch aus gegebenem Projektanlaß mal nötig sein, sich Wissen über dieses oder das aus diesen massenfabrizierten Meinungs- und Ausdruckswelten anzueignen. Aber wer nicht aufnahmefähig und analytisch genug veranlagt ist, sich diesbezüglich mittels, sagen wir, dreier Tage ad-hoc-Tortur auf den aktuellen Stand zu bringen, wäre ohnehin besser aufgehoben beim, uh, Fernsehen?

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