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Die Ästhetische Gesellschaft — Session.Three: Ein Wavetank VideoCast

Wavetank

Note: A good number of years down the road, Tim took our episodes from »Die Ästhetische Gesellschaft« offline from Vimeo, YouTube, iTunes, and Wavetank except the final one.

For historical, archival, and sentimental reasons, though, I’ll leave my posts up as they were originally written, with all the dead links removed. Maybe you will enjoy some of these posts nevertheless!

Siggi, Tim und ich haben die dritte Session unseres neuen VideoCasts »Die Ästhetische Gesellschaft« aufgenommen, auf Vimeo hochgeladen und mit einem Geleitwort auf Wavetank eingestellt.

Um Irritationen vorzubeugen: Die ungewöhnliche Kürze durch Beschneidungen in der Länge sowohl hinten (dank aussetzenden Mikrophons) wie auch vorne (dank aussetzenden Denkvermögens) bitten wir zu entschuldigen. Sie war nicht beabsichtigt und, wie ich uns kenne, sicherlich vorübergehend.

Dem Schneiden des vorderen Teils fiel auch die Fortsetzung unseres nicht unerhitzten (haha) Disputs um Entropie/Emergenz und Feldtheorie/Reversibilität zum Opfer, den wir zu Tims Blogpost »Forderung einer ästhetischen Feldtheorie dynamischer Netze« auf Wavetank begonnen und dann baumeln gelassen hatten, und der auch nach Session.Three zwischendurch immer mal wieder aufflackert und geordnete Energien in ungeordnete überführt.

[Missing Video]

Der etwas abrupte Einstieg, wo wir uns nicht an Paul Watzlawick erinnert fühlten, sondern vielmehr an Paul Feyerabend, galt irgendeinem Aspekt dieses vorangegangenen Klingenkreuzens. Zwar driften wir nach kurzen Stippvisiten bei Lee Smolin und Karl Popper umgehend weiter, aber mit Feyerabends radikal-anarchistischem Gegenentwurf zur Wissenschaftlichen Methode lohnt es sich allein aus Denksportgründen zu beschäftigen; eine neuliche Diskussion auf Cosmic Variance [RIP] — “Does Philosophy Make You a Better Scientist?” — zum Thema Physics & Philosophy war auch an Feyerabend aufgehängt.

Weiter ging es mit Überlegungen zu Systemtheorien. Dies mündete unter anderem in der Kritik, daß auf Gesellschaften angewandte Systemtheorien dazu neigen, »Macht« als eine soziologische Dimension auszublenden. (Daß ich an dieser Stelle das F-Word nicht benutzte, lag allein daran, daß wir dort bereits gewesen waren, im fehlenden Teil vor dem Einstieg.) Wir sprechen gesellschaftliche Beharrungskräfte an, die zu diesen und anderen partiellen Blindheiten führen, und Beharrungskräftezuarbeiter wie die Werbung, worüber ich zeitnah zum Thema »Neujahr« und zum »Diamantenwerbung« auf dem Werbeblogger [RIP] schrieb.

Die Kontroll- und Beharrungsfrage führte uns von dort zu Apples iPad und der Frage, ob das iPad mit iBook und eZeitungen & eMagazinen lediglich obsolete Geschäftsmodelle zombifiziert oder tatsächlich Verlagen und Pressehäusern einen öffnet — und mit dem 70:30-Bezahlungsmodell-Vorbild vielleicht sogar irgendwann freiberuflichen Journalistinnen und Journalisten Publikationsalternativen bietet. (Ein Bezahlungsmodell, auf das Amazon mit dem Kindle nach dem ursprünglich unverfrorenen 35:65-Modell erst aufsprang, als es den Güterzug aus Cupertino nahen hörte.) Aber einig waren wir uns darin, daß Apple die Welle beherrschen und kontrollieren will, auf der wir reiten.

Die Beharrungsfrage ließ uns dann auch nicht mehr los, zusammen mit der Frage, warum selbst monumentale Raten von Unmotiviertheit und Innerer Kündigung im korporierten Deutschland a) nicht zu Veränderungen führen und b) vergleichsweise spektakulär gut funktionieren, um das wirtschaftlich-gesellschaftliche Gefüge aufrechtzuerhalten. (Als Kontrast empfehle ich dies zur Lektüre.) Wäre eine “Free Flow”-Gesellschaft vorstellbar, die — statt nach Stabilität zu streben — mit dem Fluß des Möglichen sich täglich neu erfindet? Welche Rolle spielen dabei die Umwälzungen im Bildungssystem und das Verschwinden der Mittelschicht? Stünde das »Ich« dabei im Weg als etwas, das sich über Konstanz definiert, oder wäre es möglich, daß das letztendlich abbildende Ich in einer Free Flow-Umgebung sich täglich neu erzählen könnte? Und was würde, wenn dem so wäre, aus Ideologien und ihrer Teilmenge Religionen, die »auf Individuen angewiesen sind, die identitätssüchtig sind«?

Enjoy!

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1 Response

  1. Nachträgliche Präzisierung: Natürlich wird Macht in der Systemtheorie nicht ausgeklammert, schliesslich handelt zB ein schmales Büchlein von Luhmann explizit und very lesenswert allein nur von diesem Begriff. Jedoch ist fraglich ob die äussere Schale der Macht, die „… deren Soziologie keiner zu schreiben wagt.“ (Carl Schmitt) von diesen Theorien ebenfalls erfasst werden. Das meinte ich im Mitschnitt mit dem kleinen schmutzigen Geheimnis. ;-)