a writer's blog

Zum Bachelor in vier unschwierigen Schritten

Mediadesign Hochschule

Mediadesign Hochschule

Während meiner Vorbesprechungen zu Erstbetreuungen von Bachelor-Arbeiten beschleicht mich bei jedem Studierenden, jedem Jahrgang, jedem Fachbereich und jeder Hochschule das Gefühl, das Rad neu zu erfinden.

Daher hier für alle Bachelor-Kandidat*innen, die von mir erstbetreut werden möchten, das von mir angebotene und erwartete Procedere — unabhängig von Thema, Jahrgang, Fachbereich oder Hochschule. Enjoy!

Vorbesprechung

Schritt 1: Vorbesprechung
Zeit: So früh wie möglich

Mitzubringen sind mindestens eine gute Idee — oder mindestens ein Themenfeld mit dem Ansatz zu einer guten Idee — für ein Bachelorthema, das insgesamt das Potential hat, am Ende der Themenfindung alle folgenden Bedingungen zu erfüllen:

  • Disziplin: Es muß Euch persönlich interessieren und begeistern.
  • Relevanz: Es muß ein Erkenntnisinteresse für das Fachgebiet bestehen.
  • Qualität: Es muß mit wissenschaftlichen Methoden bearbeitet werden können.
  • Ressourcen: Es muß mit den vorhandenen Ressourcen bearbeitbar sein.

Ohne persönliches Interesse am Thema besteht die Gefahr, daß einen im Laufe der Arbeit die Disziplin verläßt, die es braucht, um eine wirklich gute Arbeit zu schreiben.

Interessant im Rahmen eines Fachgebiets ist vieles — relevant ist aber nur, was den Wissensstand des Fachgebiets um wenigstens ein kleines, nicht-triviales Stückchen erweitert. (Trivial ist eine Frage dann, wenn sie in dieser Form vielleicht noch nicht gestellt wurde, deren Antwort aber auf dem Hintergrund der aktuellen Forschungslage offensichtlich ist.)

Grundwissen darüber, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet und was eine wissenschaftliche Methode ist, setze ich zum Zeitpunkt der Bachelor-Reife voraus. Für die meisten Themen in den von mir betreuten Fachbereichen bieten sich geisteswissenschaftliche oder sozialwissenschaftliche Methoden oder eine Mischung davon an. Methodenbewußtsein ist wichtig, und je früher darüber nachgedacht wird, desto stärker kommt es der Arbeit zugute.

Die wichtigste abzuschätzende Ressource ist Zeit: beim Bachelor fallen zum Beispiel aufwendige sozialwissenschaftliche Untersuchungen wie quantitative Umfragen in der Regel heraus, da Entwurf, Durchführung, Analyse und Interpretation in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht sauber zu stemmen sind. (Der reine Entwurf einer Studie liegt aber im Rahmen der Arbeit durchaus im Bereich des Möglichen.) Auch der Ort kann eine knappe Ressource sein, wenn zur Recherche umfangreiche Reisebewegungen vonnöten wären. Bei einem vorwiegend literaturgestützten geisteswissenschaftlichen Vorgehen wiederum sollte gewährleistet sein, daß genügend Literatur vorhanden ist, um sinnvoll darauf aufsetzen zu können, aber auch wiederum nicht so viel Literatur, daß schon die Darstellung des Forschungsstandes den Rahmen sprengt. Letzteres ist im Übrigen ein gutes Indiz dafür, daß die Forschungsfrage zu weit gefaßt und/oder das Thema nicht ausreichend eingegrenzt wurde.

Exposé

Schritt 2: Exposé
Zeit: So früh wie möglich in der Bearbeitungszeit (bzw. je nach Fachbereich/Hochschule schon früher)

Das Exposé ist in schriftlicher Form einzureichen (Dateiformat ist egal, meine Apps essen alles) und in einem persönlichen Gespräch in einem Zeitrahmen von 15–20 Minuten vorzustellen mit anschließender Besprechung.

Bestandteile des Exposés sind:

  • Alle Angaben, die auch auf das Titelblatt der BA-Arbeit gehören
  • Vorläufiger, aber funktionabler Arbeitstitel
  • Sauber formulierte zentrale Foschungsfrage
  • Darstellung, warum die Frage für das Fachgebiet relevant/von Interesse ist
  • Intelligent formulierte Hypothesen zur Unterstützung der Forschungsfrage
  • Themenabgrenzung, welche Aspekte einbezogen bzw. nicht einbezogen werden
  • Forschungsstände/Kontexte/Begriffe, die in der Arbeit vorzustellen bzw. zu klären sind
  • Vorläufige Gliederung (Strukturskizze)
  • Vorstellung und Begründung der zu verwendenden Forschungsmethode(n)
  • Überblick darüber, ob Literatur verfügbar ist und in welcher Qualität
  • Klare Ansage, welcher formale Standard benutzt wird (mit Literaturreferenz)

Einige Punkte mögen ob ihrer dichten Formulierung zunächst etwas abstrakt wirken, daher empfehle ich, den Blogeintrag Die Struktur einer wissenschaftlichen Arbeit meines Kollegen Prof. Dr. Boes zu lesen. Dann werden unklare Punkte klarer.

Näher erläutert werden soll aber noch der letzte Punkt bezüglich der formalen Standards vom Layout über Verzeichnisse bis zum Zitationstil:

Als Standard für die formalen Elemente kann für die jeweilige Arbeit ein gebräuchlicher Standard verwendet werden wie AMA, MLA, Turabian, Chicago oder, speziell für Zitationsstile, das Harvard-System oder das Vancouver-System. Es mag aber oft sinnvoller sein, sich einen anerkannten Ratgeber zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten zuzulegen oder auszuleihen und sich daran zu orientieren. Wie auch immer: ich möchte bereits in diesem zweiten Schritt eine eindeutige und für mich nachvollziehbare Quelle für die formellen Standards genannt bekommen, die ich nach der offiziellen Einreichung in der Arbeit vorfinde werde.

Einzusehen sind auch immer die aktuellen, hochschulspezifischen »Richtlinien zur Bachelorarbeit«. Die haben zumeist ebenfalls einen Regelsatz für die Formalia, allerdings überlicherweise als Vorschläge, die mit Erstbetreuerin oder Erstbetreuer abzusprechen sind. Sollte daher eine Regel aus diesen Richtlinien mit einer Regel des gewählten Standards kollidieren, läßt sich das in Rücksprache mit mir schnell und problemlos klären.

Präsentation

Schritt 3 (nur auf individuellen Wunsch): Zwischenpräsentation
Zeit: Ungefähr zur Mitte der Bearbeitungszeit

Wer möchte, kann nach der Hälfte oder zwei Drittel der Bearbeitungszeit eine Zwischenpräsentation mit mir vereinbaren. Präsentiert wird mündlich, entweder mit Folienunterstützung ODER einem rechtzeitig zugänglich gemachten digitalen Handout. Die Präsentation dauert 15–20 Minuten mit anschließender Besprechung.

Inhalt der Präsentation ist:

  • Der aktuelle Stand der Arbeit in allen wichtigen Aspekten
  • Zeit- und Arbeitsplan für die zweite Hälfte der Bearbeitungszeit

Hier würde ich u. U. auch die eine oder andere Frage aus der Peripherie des Themas stellen, um herauszufinden, welches Wissen bzw. welcher Überblick über das bearbeitete Themenfeld auch außerhalb des engen Fokus der Fragestellung verfügbar ist.

Probekapitel

Schritt 4: Einreichung eines Problekapitels
Zeit: Im letzten Viertel der Bearbeitungszeit

Eingereicht in digitaler Form wird ein frei, aber sinnvoll ausgewähltes Kapitel bzw. Teilkapitel der Arbeit (am besten zwischen 10 und 15 Seiten Umfang), das von der Form als auch vom Inhalt her »einreichfertig« ist. Zu diesem Probekapitel verfasse ich im Regelfall zeitnah eine schriftliche Stellungnahme oder setze, in Grenzfällen, einen weiteren Gesprächstermin an.

Das eingereichte Kapitel überprüfe ich auf:

  • Formale Qualität von Layout bis Zitationsstil (Formqualität)
  • Stilistische und rechtschreibliche Qualität (Sprachqualität)
  • Umgang mit Literatur und Quellen (Synthesequalität)
  • Gute und nachvollziehbare Argumentation (Analysequalität)
  • Logischer und nachvollziehbarer Aufbau (Strukturqualität)
  • Zielführende Elemente in Bezug auf die Fragestellung (Ergebnisqualität)

Alles Weitere bis zur offiziellen Einreichung der Arbeit und darüber hinaus ergibt sich in der Regel dann von selbst.

Bei Fragen oder Nebenwirkungen auf den gewohnten Kanälen eine Chat-Message schreiben und/oder mich im Büro heimsuchen.

Permalink: http://betweendrafts.com/bachelor

Creative Commons LicenseZum Bachelor in vier unschwierigen Schritten by J. Martin (10/2014) is licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-ShareAlike 4.0 International License.
Share

Tagged as: ,

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>