a writer's blog

I Get Mail, Confidentiality Edition

brand meets world

brand meets world

Zur Abwechslung mal in Deutsch.

Auch diesmal wieder perfekt abgestimmt auf die Inhalte und Zielmenschen dieses Blogs:

Hallo,

Hätten Sie Interesse einen Gastbeitrag auf Ihrer Website zu veröffentlichen, der einen Text-Link zurück zu der Website unseres Kunden beinhaltet?
Unser Kunde ist ein namenhafter Online Casino Anbieter.
Der Artikel ist gut geschrieben, informativ, unterhaltsam und einzigartig, und ich wäre auch bereit, Ihnen einen Obulus für die Platzierung zu bezahlen.
Ist das eventuell von Interesse für Sie?

Besteht eventuell auch die Möglichkeit in englisch zu kommunizieren, der Kollegen zu Liebe? Die Beiträge sind sind selbstverständlich in deutscher Sprache.

Mit freundlichen Grüßen,

Claudia Borlich

»Namenhaft« finde ich ein sehr schönes Wort, das ich gerne in meinen Wortschatz aufnehme. Die Falschschreibung von »Obolus« dagegen kenne ich schon, aber dafür ist die Verwendung dieses Begriffes treffender, als es zunächst scheint:

Neben der griechischen Münze wird als Obolus im übertragenen Sinn ein kleiner Geldbetrag, eine Gebühr, Spende, ein Trinkgeld oder Bestechungsgeld bezeichnet.

Oder, noch treffender:

Der Begriff hat sich unter anderem deshalb bis heute erhalten, weil er in der griechischen Mythologie eine Rolle spielt. Die kleine Münze (»Charonspfennig« genannt) wurde den toten Griechen in der Antike als Grabbeigabe unter die Zunge gelegt, bevor sie bestattet wurden. Sie diente als Fährgeld für den Fährmann Charon für die Überfahrt der Toten über den Fluss Styx in das Totenreich des Hades.

Wenn wir diese klassische Bedeutung von Obolus behutsam modernisieren, indem wir »tote Griechen« durch »Marke« ersetzen und »Charon« durch »SEO«, wird offenbar, wie präzise diese Mail den Kern der gesamten Unternehmung trifft. Die Antike lebt.

Die Unterzeichnerin »Claudia Borlich« weist sich in der Mail aus als “superserp marketing specialist” und ich kann nur vermuten, daß ihre Spezialistenfähigkeiten vor allem darin bestehen, sich im Internet vollständig unsichtbar zu machen. Ein Besuch auf superserp dot com allerdings weckt Zweifel an Superfähigkeiten jeder Art — das ist alles so unbeholfen, daß vor dem inneren Auge Bilder wie »Kätzchen vor leerem Futternapf« entstehen.

Aber wie im letzten Beispiel findet sich Lyrisches auch auf diesen Seiten:

working
with SuperSerp gives you access
to some
of the brightest
consultants in the field discretion
is our middle name

extensive experience in delivering excellence
at
both ends of the spectrum
offering free expert assessment
we structure bespoke
strategies
and
campaigns
that offer quick-fire
solutions

sharing is caring

our
biggest weapon is knowledge

we appreciate the language of search
can be over facing

get in touch

we would be
delighted
to hear about, and cure,
your
search related headaches

Und schließlich haben unsere Meister der Diskretion auch noch folgenden Passus in ihrer E-Mail:

This message is confidential. It may also be privileged or otherwise protected by work product immunity, confidentiality or other legal rules. If you are not the intended recipient you are notified that disclosing, copying, distributing or taking any action in reliance on the contents of this information is strictly prohibited.

Worauf ich jetzt nur noch warte ist die Spam-Mail, die ich aus Copyright-Gründen nicht löschen darf.

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2 Responses »

  1. Hallo,

    Du scheinst Dich mit dem Thema auseinander gesetzt zu haben, ich habe soeben die gleiche Mail erhalten. Einzig und allein was mich wundert, die benutzte Mailadresse taucht im Netz zumindest in ausgeschriebener Form nie auf.

    Hast Du eine Ahnung wie die an die Adresse gekommen sein könnten?

    Grüße,

    Oliver

  2. Oliver, ich nehme an, daß Du Deine eigene E-Mail-Adresse meinst, auf der Du kontaktiert wurdest, und daß Du diese Mail-Adresse nicht »ausgeschrieben« im Netz stehen hast, sondern mit Obfuscator oder mit Schreibungen wie »adresse at domain« o.ä.?

    Um dazu etwas auszuholen: diese Person »Claudia Borlich« und die dazugehörige E-Mail-Adresse existieren ganz offensichtlich nicht, aber die Rechtschreibfehler in der E-Mail sind eindeutig von einem deutschen Muttersprachler (und ganz besonders nicht von einem Übersetzungsprogramm o.ä.).

    Einiges spricht dafür, daß hier tatsächlich ein Mensch am Werk ist, der die E-Mail-Adressen »händisch« aus den angeschriebenen Blogs holt (Angabe der E-Mail-Adresse ist ja in Deutschland Pflicht).

    Kann mir zwar nicht vorstellen, daß das für den Betreffenden besonders effizient/effektiv/lukrativ ist, aber für ein paar Groschen findet man ja im Internet Menschen für jeden noch so bizarren Job.

    LG,
    J.

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