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Die Rückkehr des Wiesels: Comebacks und die Resilienz der Neuen Dreistigkeit #Guttenberg

Comeback

Comeback

Wie eine renommierte Wochenzeitung und ein zeitungsähnliches Angebot zur Willenslenkung gemeinsam für das Recht zum Wieseln kämpfen: Ein Buddy-Movie.

Was haben Guttenberg und Berlusconi gemeinsam?

Wir alle lieben Storys, die nach der traditionellen Comeback-Struktur gestrickt sind, und nach Russell Crowes Erfolgen in Gladiator, Cinderella Man und Comeback hätte ich eine Idee, mit wem sich in Guttenberg: Die Rückkehr des Wiesels die Hauptrolle besetzen ließe. (Das Casting für Berlusconis Rückkehr: Ein Angebot, das niemand abschlagen kann ist schwieriger — aber der ebenso große Comeback-Performer Mickey Rourke wäre geradezu ideal geeignet für die Rolle von Berlusconis Ego.)

Aber wie auch immer:

Lügen, Wieseln, Blenden. Wer diese Kriterien zugrunde legt, kann Guttenbergs Rückkehr nach langen, nicht endenwollenden Wochen, die sich sogar schon zu Monaten addierten, in der Tat völlig korrekt als “Comeback” bezeichnen. Und weil Comeback-Storys ja Geschichten sind, die wir alle lieben, und die sich— wie die oben aufgeführten Filme zeigen — auch hervorragend verkaufen, hat die Zeit von der Bild-»Zeitung« im fliegenden Wechsel die qualitätsjournalistische Eselsmütze übernommen.

Und nicht nur das — alle verdienen dabei! Win-Win! Jürgen Kaube von der FAZ im Gespräch mit Frank Meyer im Deutschlandradio zu Giovanni de Lorenzos Gespräch mit Guttenberg in der Print-Ausgabe der Zeit:

[Und wenn Sie auf die Rolle der Zeit dabei schauen, dass sie Guttenberg so eine Plattform bietet mit diesem Rieseninterview, damit auch der Werbung für das Buch, das nächste Woche erscheinen soll, was halten Sie davon?]

Na, ich würde das auseinanderhalten. Also das Interview mit ihm zu führen, ein Gespräch auch über seine Rückkehrabsichten, die ja so ein bisschen nebulös formuliert werden, fast so in Form so einer kleinen Drohung und pünktlich zur Eurokrise, da würde ich sagen, gut, das mag journalistische Praxis sein, dass man dann sagt: Wir machen so etwas. Aber es ist ja im Grunde genommen ein Vorabdruck, eine Art Vorab-Reklame für diesen Gesprächsband. Und da, finde ich, sind vielleicht Grenzen erreicht.

Giovanni di Lorenzo hielt das alles ja von Anfang für so etwas wie einen edeldemokratischen Seitenreflex, der eine so vielversprechende politische Karriere nicht ernsthaft beeinträchtigen könne oder solle. Auch da ist natürlich etwas dran. Denn Lügen, Wieseln, Blenden gehört zur Politik, wie wir sie kennen, ja genauso intim dazu wie der Dreidl zu Hanukkah, der Strohstern zum Christbaum und der von Kinderstiefeln hereingetragene Schneematsch mit Hundescheiße im Wohnzimmer zur Weihnachtszeit.

Während die Zeit auf diese Weise die Fronten wechselt zu der Seite, wo Bild ebenso bedrohlich wie hysterisch mit patriotisch geschmückten Fahnenstangen wedelt, schreibt Frank Schirrmacher von der FAZ schockierend pro-demokratische Artikel und führt Gespräche mit Fefe und Frank Rieger. Tempora mutantur.

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3 Responses

  1. Langsam kann man eine PCL-Liste mit abgehakten Symptomen machen. Bilderbuch.

  2. Ich verstehe nicht, dass in Deutschland überhaupt noch ein Interesse für die Geschicke des Von und Zu besteht. Einmal rausgeflogen sollte doch reichen!