Blogsöldners: This Time It’s War
Nicht nur können die Chinesen all das auch, was uns in unseren korporierten Welten so alles an Perfidem einfällt, sie können es dank der Macht der Zahl auch gleich im großen Stil!
Denn ach wie flüchtig, ach wie nichtig erscheinen doch die von mir besprochenen Ghostcommenter und Ghostpromoter oder die unsägliche Have iPod, Need Blog Cred-Aktion von einem Immonet-Tentakel, mit dem PR Blogger Klaus Eck immer noch ringt, gegen die Blogsöldnerheere des Fernen Ostens — die Astroturf Army, die Spin Doctors Brigades, die 50 Cent Party aus China!
Die geschätzte Zahl von 300,000 Blogsöldnern, die regierungsfreundliche Kommentare und Beiträge in Blogs und Foren hinterlassen, scheint mir im Rahmen der in anderen Bereichen recht gut dokumentierten Aufwände der chinesischen Diktatoren Regierung zur Kontrolle des Internets nicht übertrieben. Sicherlich wird nicht jeder Söldner und jede Söldnerin für jeden Beitrag das chinesische Äquivalent von “50 Cent” bekommen — aufschlußreich ist hierzu und zu anderem diese Antwort auf verschiedene Leserkommentare. Kommentare, nebenbei, die durch ihren allgemeinen Duktus die im ursprünglichen Artikel “China’s Guerilla War for the Web” von David Bandurski in der Far Eastern Economic Review recherchierten Hinweise auf dieses Blogsöldnerheer in der Tat eher unterstreichen denn entkräften würden.
Nichtsdestotrotz halte ich Mike Elgans Artikel “How China’s ‘50 Cent Army’ Could Wreck Web 2.0” für alarmistische Wichtigtuerei:
With 300,000 people, you can see how the CCP could easily determine what makes it onto the front page of Digg, and what gets shouted down. They could use Wikipedia, YouTube and Slashdot as their most powerful tools of global propaganda. It would be trivial for China to determine Yahoo’s “Most Popular”news items (“Most E-Mailed,” “Most Viewed” and “Most Recommended”).
Over the long term, the existence of China’s 50 Cent Army erodes the value of the Web 2.0, which is based entirely on the actions of users. If half those users are working for the CCP, then the results of user actions are compromised. Nobody can trust it.
Diese Behauptungen offenbaren, daß Elgans Vertrautheit mit modernen Webtechniken — angefangen mit so trivialen Sachen wie der im korporierten Umfeld endemischen Geo-IP-Filterung — selbst das Etikett „dürftig“ nur mit viel Großzügigkeit verdient. Was mich hier besonders ärgert ist, daß das im Zusammenhang mit Darfur, Burma, Zimbabwe, Nordkorea oder Taiwan inzwischen weltweit ausgeübte Berufsschlägertum Chinas — zur Zeit vor dem Hintergrund des Nahostkonfliktes himmelschreiend herumparadiert als „Schlichter für friedliche Koexistenz“ selbst von Blogs wie Informed Comment, deren Meinung ich zwar nur selten teile, aber in der Regel schätze — hier als Dr. Doom des Web 2.0 cartoonisiert und damit gleichzeitig verharmlost wird. Und angesichts unserer zunehmend zügigeren Entwicklungen und Bestrebungen, die sogenannte freie Welt zu einer Art Airstrip One 2.0 zu transformieren, ausgerechnet Chinas 50-Cent-Armee zur Gefahr für westliche Internet-Anonymität und Redefreiheit zu deklarieren, erscheint von gehobener Schenkelklopferqualität.
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