Rauchsignale

Viceroy: The Man Who Thinks for Himself

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Auf ihrem Blog Bioephemera besprach Jessica Palmer neulich einige Beispiele klassischer Zigarettenwerbung mit Motiven aus Wissenschaft und Technik — ja, es gab mal eine Zeit, wo Wissenschaft sexy genug für Werbung war. Das war die gleiche Epoche, in der naturwissenschaftlicher Unterricht in den Schulen noch von einer Qualität war, die die legendenumrankte Vorlesungsserie des anektodenumrankten Physikers Richard Feynman für Erst- und Zweitsemestler geeignet machte, und wo Wissenschaftsjournalismus sowohl mit „Wissenschaft“ als auch mit „Journalismus“ noch etwas zu tun hatte. Statt, wie heute, im großen und ganzen der gleichen Beurteilung anheimzufallen, die Jessica Palmer über die Zigarettenwerbung spricht:

Pseudoscientific nonsense permeated cigarette advertising throughout the twentieth century.

Aber das war ja auch noch das Space Age, und das machte sogar Astrophysiker und Astronomen sexy.

Neben der Geschichte des Stellenwertes von Wissenschaft in westlichen Bildungssystemen und einem Kapitel aus der Kulturgeschichte des Tabaks erzählt speziell dieses Bild aber noch eine dritte Geschichte, nämlich die der visuellen Mikromanipulation. Nicht entgangen ist es vielen, daß dem vertieften Wissenschaftler im Hintergrund ein berühmtes Photo von Edwin Hubble zugrunde liegt. Unter anderem Sean Carroll (der Physiker, nicht der Biologe) fielen jedoch ein paar kleinere Veränderungen in seinem Beitrag “The Man Who Observes the Universe Smokes Viceroys” auf. Wem noch? Hier eine kleine Übung aus der traditionsreichen Abteilung „Original und Fälschung“:

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Sean schreibt:

The guy in the ad is a bit younger, less rumpled, wearing a tie—perhaps a bit thinner. Most importantly, the inevitable pipe that accompanies pictures of early-20th-century astronomers has disappeared. One wouldn’t want the impression that the man who thinks for himself actually prefers pipe tobacco to Viceroys.

LOL.

Aber, um nicht mit so vielen trüben Aussichten zu schließen: Zumindest an der Wissenschaftsfront scheint sich endlich wieder etwas zu verändern, und Sean — auf dem Hintergrund verschiedener Äußerungen von President-elect Obama — drückt in einem anderen Beitrag auf Cosmic Variance, “Science and Culture at the White House”, die Hoffnung und Erleichterung von vielen aus.

Und auch das Space Age könnte, mit ganz neuen Aufgaben, eine ungeahnte Renaissance erleben:

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;-)

Disclaimer
Woran Werber zu allen Zeiten und mit wachsender Begeisterung ihr intellektuelles Mütchen kühlen, ist die Werbung anderer: ein Unterfangen, für das ich — milde gesagt — Vorbehalte hege. Denn weder kenne ich die Werbeabsicht, noch die Zielgruppe, noch den Erfolg, die diese Werbung hat. (Und mit „Erfolg“, das dürfte klar sein, sind nicht Kreativpreise gemeint.) Aber es gibt eine Reihe von offensichtlichem Blödsinn, der aus Faulheit entsteht: Der Faulheit, etwas gründlich zu recherchieren und der Faulheit, ein Anliegen präzise auszudrücken. Dies sind die Dinge, die hier in der Grabbelkiste von Zeit zu Zeit aufs Korn genommen werden. (Und ab und zu, wie hier, auch Haarsträubendes aus Geschichte und Gegenwart.)
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