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Euro RSCG: Ups! … und halb gewonnen ist immer noch verloren.

Euro RSCG

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Eines hatte ich mir gestern im Anschlußeintrag zu meinem Kommentar auf dem Werbeblogger aufgespart, um nicht gleich alles auf einmal zu verputzen.

Wir erinnern uns — das Original-Motto der Kampagne von Euro RSCG lautete:

Mit dem Prosumer™-Prinzip halten wir einen echten USP in den Händen, der die Effizienz unserer Kunden nachhaltig erhöht.

Diesem Fall von ROFLMAO widmete ich mich in angemessener Ausführlichkeit. Die seitdem rasch überarbeitete Version lautet:

Mit dem Prosumer™-Prinzip halten wir einen echten USP in den Händen, der die Effizienz unserer Kommunikation nachhaltig erhöht.

Ich sage »rasch«, weil ich mir sonst nicht erklären kann, warum dieses Motto jetzt nicht besser, sondern bloß auf andere Weise unsinnig ist.

Ich witzelte ja schon in meinem Originalkommentar auf dem Werbeblogger an einer Stelle über den Unterschied von »effizient« und »effektiv«, aber die lexikalische Füllstandshöhe bei den RSCG-Textveranwortlichen ist wohl niedriger, als ich dachte. Also, wollen wir mal sehen. Was bedeutet es, die Agenturkommunikation effizienter zu gestalten? Höhere Effizienz == Weniger Aufwand. Toll! Und wenn ich nicht gierig bin, übersetzt sich das in Weniger Aufwand == Weniger Aufwände. Die Rechnungen können niedriger ausfallen. Was hier ausgesagt wird, kann also entweder bedeuten: »Hej, komm zu uns, denn bei uns bezahlst du weniger!« oder »Hej, komm zu uns, denn bei uns kriegst du mehr für’s gleiche Geld!«

Hmmmm’kay …

Wenn ich ein pfiffiger Kunde bin, interessiert mich nicht in erster Linie die Agentur, deren Kommunikation am effizientesten ist. Als pfiffiger Kunde interessiert mich die Agentur, deren Kommunkation am effektivsten ist! Ich will schließlich meinen Kram verkaufen, Donnerwetter noch eins! Wenn die Kommunikation der Agentur dazu dann auch noch so effizient ist, daß ich letztendlich sogar Geld einspare — um so besser. Aber als USP?!? Und dazu diesen USP — um noch eins oben draufzusetzen — in einer Formulierung anzupreisen, in der »unsere Kommunikation« die Hauptrolle spielt? Die Kommunikation, die »wir« machen, möglicherweise sogar für den Kunden (könnte ja sein, auch wenn das nicht dabeisteht)? Das Wort »Eigenwerbungskampagne« gewinnt hier an Bandbreite. Andererseits, sich selbst kennt der Kunde schließlich schon, also erzählen wir ihm lieber etwas über uns — betrifft ihn ja letztendlich auch.

Das sollte klappen.

Disclaimer
Woran Werber zu allen Zeiten und mit wachsender Begeisterung ihr intellektuelles Mütchen kühlen, ist die Werbung anderer: ein Unterfangen, für das ich — milde gesagt — Vorbehalte hege. Denn weder kenne ich die Werbeabsicht, noch die Zielgruppe, noch den Erfolg, die diese Werbung hat. (Und mit »Erfolg«, das dürfte klar sein, sind nicht Kreativpreise gemeint.) Aber es gibt eine Reihe von offensichtlichem Blödsinn, der aus Faulheit entsteht: Der Faulheit, etwas gründlich zu recherchieren und der Faulheit, ein Anliegen präzise auszudrücken. Dies sind die Dinge, die hier in Killed by Copy von Zeit zu Zeit aufs Korn genommen werden.
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