Welt am Draht! — Situation & Identifikation

brand meets world

brand meets world

Oft ist es effektiver, Menschen einer bestimmten Zielgruppe glaubhaft zu machen, daß andere in ihrer Gruppe das zur Debatte stehende Produkt kaufen, als ihnen glaubhaft zu machen, daß es ihnen — individuell — einen Nutzen bringt. Das ist nicht neu. Dies gilt, der kürzlich veröffentlichten (Closed Access)-Studie “A Room with a Viewpoint: Using Social Norms to Motivate Environmental Conservation in Hotels” im Journal of Consumer Research zufolge, offenbar auch dann, wenn das „Produkt“ ein Fall des Allgemeinwohls ist:

 

Two field experiments examined the effectiveness of signs requesting hotel guests’ participation in an environmental conservation program. Appeals employing descriptive norms (e.g., “the majority of guests reuse their towels”) proved superior to a traditional appeal widely used by hotels that focused solely on environmental protection. Moreover, normative appeals were most effective when describing group behavior that occurred in the setting that most closely matched individuals’ immediate situational circumstances (e.g., “the majority of guests in this room reuse their towels”), which we refer to as provincial norms.

Ich finde das Hotel-Beispiel aus der Studie sehr interessant. Nicht „die meisten unserer Gäste benutzen ihre Handtücher mehrfach“, sondern „die meisten unserer Gäste in diesem Zimmer benutzen ihre Handtücher mehrfach“ bringt die besten Zahlen. Je situationsbezogener der Appell, desto stärker der Erfolg, das kennen wir: faszinierend finde ich in diesem Beispiel die räumliche/spatiale Komponente, die mich für Konzeptionen schon immer besonders interessiert hat.

Ist das trivial? Meiner Erfahrung nach, zumindest in den Branchen, in denen ich solche habe, nicht. Ich bin in meinem Umfeld bekannt dafür, daß ich beim Co-Konzeptionieren von Kampagnen „räumliche“ Elemente in die Vorstellungswelten einzubinden versuche, die eine möglichst starke physische Situiertheit erzeugen und damit zusätzliche Identifikationsmuster schaffen — hier als Beispiel eine ganzseitige Anzeigenserie für ein (täuschend unscheinbares) B2B-Produkt der Premiumklasse. Und ich sehe dieses Potential selten genutzt. Davon abgesehen macht es Spaß: Ich finde, es fühlt sich lustig an, eine Art virtuelle Welt in einer virtuellen Welt zu schaffen!1

1 Was ich schon wollte, seit ich 14 war — als mir der erste Roman von Philip K. Dick in die Hände fiel und später Simulacron Three von Galouye, die Vorlage für den Fassbinder-Zweiteiler im Eintragstitel mit Klaus Löwitsch von 1973 und für das weitgehend kreationsfreie The Thirteenth Floor von 1999.
  • Share/Bookmark
text & technik, werbewerkzeug

Leave a Response

By submitting your comment you agree to the comment and data policy terms. | Voraussetzung für das Absenden eines Kommentars ist die Kenntnis von Kommentarpolitik und Datenschutzhinweisen sowie das Einverständnis zur automatischen Speicherung von E-Mail-Adresse und aktueller IP-Nummer.